Was ist eine Otoplastik?
Die Otoplastik ist der Sammelbegriff für Operationen, die Form, Größe, Symmetrie oder Stellung der äußeren Ohrmuschel verändern. Es handelt sich nicht um einen einzelnen Eingriff, sondern um eine Gruppe von Techniken – von der Naht eines eingerissenen Ohrläppchens bis zur Aufrichtung eines angeborenen, nach vorne geknickten Ohrrandes.
Die Ohrmuschel besteht aus elastischem Knorpel, der von dünner Haut überzogen ist und ein typisches Faltenrelief bildet. Die Proportionen dieser Falten, die Gesamtgröße des Ohres und sein Verhältnis zum Gesicht bestimmen, wie das Ohr wirkt. Ziel der Otoplastik ist ein unauffälliges Ohr, das zur Gegenseite passt und natürlich aussieht.
Abstehende Ohren sind der häufigste Grund für eine Ohroperation. Ausführliche Informationen dazu finden Sie auf unserer eigenen Seite zur Ohranlegung bei abstehenden Ohren. Auf dieser Seite geht es um die übrigen Formveränderungen, die sich mit einer Ohrkorrektur behandeln lassen.
Welche Ohrfehlbildungen lassen sich mit einer Otoplastik korrigieren?
Häufige Befunde in unserer Sprechstunde, die sich operativ verbessern lassen, sind:
- Eingerissene oder ausgeleierte Ohrläppchen durch schwere Ohrringe, Hängenbleiben oder ein im Laufe der Jahre erweitertes Ohrloch.
- Gedehnte Ohrläppchen nach Flesh Tunnels, bei denen das Ohrläppchen zu einer großen Schlaufe geworden ist.
- Große oder hängende Ohrläppchen, die im Verhältnis zum Gesicht unproportioniert wirken.
- Makrotie – eine insgesamt im Verhältnis zum Gesicht zu große Ohrmuschel.
- Tassen- oder Knickohren (Constricted Ear) – angeborene Formen, bei denen der obere Ohrrand nach vorne abknickt oder die Ohrmuschel enger ist als üblich.
- Stahl-Ohr – eine zusätzliche Knorpelfalte im oberen Ohr, die den Rand spitz erscheinen lässt.
- Deutliche Asymmetrie in Größe, Form oder Stellung beider Ohren.
- Verformungen nach Verletzungen, etwa nach Bissen, Schnittverletzungen oder das verdickte „Blumenkohlohr“ bei Kontaktsportarten.
- Revision nach früheren Ohroperationen.
Ist die Ohrmuschel ganz oder größtenteils nicht angelegt (Mikrotie), ist eine eigene, mehrstufige Rekonstruktionsplanung erforderlich.
Wie wird ein eingerissenes Ohrläppchen korrigiert?
Die Korrektur des Ohrläppchens ist der kürzeste und häufigste Teil der Otoplastik. Bei einem durchgerissenen Ohrläppchen werden die verheilten Wundränder angefrischt und Vorder- und Rückseite des Läppchens schichtweise vernäht. Eine leicht gebrochene statt gerade Schnittführung kann helfen, eine spätere kleine Einkerbung zu vermeiden.
Nach Flesh Tunnels wird überschüssiges Gewebe entfernt und das verbleibende Gewebe so neu geformt, dass das Ohrläppchen seine natürliche runde Kontur zurückerhält. Große oder hängende Ohrläppchen werden durch keilförmige Gewebeentnahme am Rand oder an der Rückseite verkleinert.
Diese Eingriffe erfolgen meist in örtlicher Betäubung, dauern etwa 30–60 Minuten, und Sie können am selben Tag nach Hause gehen. Die Fäden werden in der Regel nach 7–10 Tagen gezogen.
Korrektur großer, geknickter und asymmetrischer Ohren
Ist der Ohrknorpel selbst betroffen, wird für jedes Ohr ein individueller Plan erstellt. Die wichtigsten Ansätze sind:
Ohrverkleinerung
Bei der Makrotie wird eine genau bemessene Menge Haut und Knorpel aus dem äußeren Ohrrand (Helix) und der angrenzenden Rinne (Skapha) entfernt, um das Ohr zu verkürzen. Die Schnitte liegen an der Innenkante des Randes und sind dadurch gut versteckt. Das Ohrläppchen kann bei Bedarf in derselben Sitzung verkleinert werden.
Knick- und Tassenohren
Ist der obere Ohrrand nach vorne gefaltet, wird der Knorpel gelöst, neu geformt und bei Bedarf mit einem kleinen Knorpelstück aus einem anderen Bereich des Ohres gestützt. Bei ausgeprägteren Formen können aufwendigere Techniken nötig sein, um im oberen Ohrbereich Gewebe zu gewinnen.
Stahl-Ohr und Asymmetrie
Beim Stahl-Ohr wird die überzählige Knorpelfalte geschwächt oder entfernt und die natürliche Rundung des Randes wiederhergestellt. Bei einer Asymmetrie ist das Ziel, dass beide Ohren möglichst ähnlich aussehen – manchmal wird dafür nur ein Ohr operiert, manchmal beide in unterschiedlichem Ausmaß.
Bei Neugeborenen mit angeborenen Formabweichungen können Formungsverfahren, die angewendet werden, solange der Knorpel noch sehr weich ist, eine Operation in manchen Fällen überflüssig machen. Mehr dazu auf unserer Seite zu abstehenden Ohren.
Ohrkorrektur nach Verletzungen und Revisionseingriffe
Die Ohrmuschel gehört zu den exponiertesten Teilen des Gesichts und wird leicht durch Schläge, Bisse oder Schnitte verletzt. Bei Kontaktsportarten kann sich nach einem Schlag Blut zwischen Haut und Knorpel sammeln. Wird dieser Bluterguss nicht frühzeitig entlastet, verdickt sich der Knorpel und es kann eine bleibende Verformung entstehen. Bei einer Schwellung des Ohres nach einer Verletzung empfehlen wir daher eine rasche Untersuchung.
Bei bereits bestehenden Verformungen nach Verletzungen wird der verdickte Knorpel ausgedünnt und die Kontur des Ohres neu modelliert. Bei Gewebeverlust kann Gewebe aus der Umgebung oder ein Knorpeltransplantat verwendet werden; größere Defekte werden unter Umständen in mehreren Schritten versorgt.
Revisionseingriffe kommen für Patientinnen und Patienten infrage, die bereits am Ohr operiert wurden und etwa ein erneutes Abstehen, eine Überkorrektur, scharfe Knorpelkanten oder eine Asymmetrie bemerken. Da das Gewebe bereits verändert ist, erfordern diese Eingriffe eine besonders sorgfältige Planung.
Beratung und Vorbereitung
Im ersten Gespräch hören wir uns an, was Sie an Ihrem Ohr stört, und beurteilen anschließend Knorpelstruktur und -elastizität, Hautqualität sowie die Unterschiede zwischen beiden Seiten. Im Rahmen der HNO-Untersuchung werden auch Gehörgang und Trommelfell kontrolliert. Für die Planung werden Fotos aus mehreren Blickwinkeln angefertigt.
Vor der Operation:
- Ihre Medikamente, insbesondere Blutverdünner und pflanzliche Präparate, werden überprüft.
- Ist eine Vollnarkose geplant, erfolgen Routineuntersuchungen und ein Narkosegespräch.
- Wenn Sie rauchen, werden Sie gebeten, für einige Zeit darauf zu verzichten, da Rauchen die Wundheilung beeinträchtigt.
- Nach früheren Operationen helfen Operationsbericht und ältere Fotos bei der Planung.
Wenn Sie aus dem Ausland anreisen, lässt sich vieles vorab per E-Mail oder Videosprechstunde klären; das Gespräch kann auf Türkisch oder Englisch geführt werden.
Heilungsverlauf nach einer Otoplastik
Die Heilungsdauer hängt stark vom Umfang des Eingriffs ab. Nach einer reinen Ohrläppchenkorrektur sind viele Patientinnen und Patienten schon am nächsten Tag wieder im Alltag, während Knorpeleingriffe eine längere Erholung erfordern.
| Zeitraum | Typischer Verlauf nach Knorpeleingriffen |
|---|---|
| Erste 2–5 Tage | Ein schützender Verband bleibt angelegt; leichte Schmerzen und Spannungsgefühl lassen sich meist mit Schmerzmitteln gut kontrollieren. |
| 1. Woche | Der Verband wird abgenommen und das Ohr kontrolliert; für die Nacht wird ein weiches Stirnband empfohlen. |
| Tag 7–14 | Nicht resorbierbare Fäden werden, falls verwendet, gezogen; die meisten kehren an einen Büroarbeitsplatz zurück. |
| 4.–6. Woche | Das nächtliche Stirnband wird meist nicht mehr benötigt; leichter Sport ist wieder möglich. |
| 3.–6. Monat | Schwellung und Taubheitsgefühl am Ohrrand gehen weitgehend zurück, die endgültige Form wird sichtbar. |
Kontrollen führen wir in der ersten Woche, nach einem Monat und nach drei Monaten durch. Bei Patientinnen und Patienten, die nicht in Izmir wohnen, sind Zwischenkontrollen per Videosprechstunde möglich.
Risiken und worauf Sie achten sollten
Die Otoplastik gilt allgemein als sicherer Eingriff, birgt aber wie jede Operation Risiken. Dazu gehören Nachblutung und Blutansammlung unter der Haut (Hämatom), Infektion und Entzündung der Knorpelhaut, tastbare oder durch die Haut austretende Fäden, Asymmetrie, verdickte oder wulstige Narben (Keloid), vorübergehend vermindertes Gefühl sowie Kälteempfindlichkeit. Bei manchen Patientinnen und Patienten ist später eine kleine Nachkorrektur nötig.
Zunehmende oder einseitige Schmerzen, eine deutliche Schwellung oder Fieber in den ersten Tagen nach der Operation sollten umgehend abgeklärt werden – bitte melden Sie sich in diesem Fall sofort bei uns.
Lässt sich eine Ohrkorrektur mit anderen Eingriffen im Gesicht kombinieren?
Die Ohren sind Teil der Gesichtsproportionen, und manche Patientinnen und Patienten planen eine Ohrkorrektur zusammen mit anderen Eingriffen. So kann etwa eine Ohrläppchenkorrektur oder -verkleinerung in derselben Sitzung wie eine Nasenkorrektur (Rhinoplastik) erfolgen. Auch Ohrläppchen, die nach einem Facelift nach unten gezogen wirken, lassen sich mit Techniken der Otoplastik korrigieren.
Ob Eingriffe kombiniert werden sollten, hängt von der Operationsdauer, Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und Ihren Wünschen an die Erholungsphase ab – das entscheiden wir gemeinsam. Einen Überblick darüber, wie das Gesicht als Ganzes beurteilt wird, finden Sie auf unserer Seite zur Gesichtsästhetik.
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, lässt sich erst nach einer Untersuchung festlegen; Ergebnisse sind individuell verschieden.